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Was tun bei einem Überspannungsschaden?

LG FernseherWird ein moderner Fernseher einer höheren Spannung als der üblichen Netzspannung ausgesetzt, nimmt die darin verbaute Elektronik Schaden. Meist ist das Ausmaß der Schädigung extrem groß. Es liegt ein wirtschaftlicher Totalschaden vor, da die Kosten für die Reparatur höher sind, als der Preis für ein vergleichbares Gerät. Verbraucher müssen auf diesen Kosten nicht sitzen bleiben.

Arten der Überspannung

Was tun bei einem Überspannungsschaden?Technisch und juristisch gibt es zwei verschiedene Arten der Überspannung. Es gibt die langfristige und die kurzfristige Erhöhung der Netzspannung. Langfristig bedeutet, dass für mehrere Sekunden eine zu hohe Spannung anliegt. Dies ist in der Regel der Fall, wenn es eine technische Störung im Netzwerk gibt. Sie tritt häufig nach einem Stromausfall auf.

Kurzfristig sind Spannungserhöhungen nach einem Blitzschlag. Sie dauern nur Millisekunden und richten selten einen Schaden an. Aber Blitze werden von einem elektromagnetischen Impuls (EMP) begleitet, der besonders elektronischen Geräten großen Schaden zufügt. Dies sind keine Überspannungsschäden.

Wer zahlt für entstandene Schäden

Generell gibt es vier Möglichkeiten

  • Der Schaden wird vom Netzbetreiber übernommen.
  • Die Gebäudeversicherung trägt die Kosten des Schadens.
  • Die Hausratversicherung tritt für die Kosten ein.
  • Niemand übernimmt die Kosten

Der Bundesgerichtshof hat am 25. Februar 2014 (Az.: VI ZR 144/13) ein wegweisendes Urteil gefällt. Das Grundsatzurteil geht davon aus, dass Strom ein Produkt im Sinne der Produkthaftung ist und fehlerhaft sein kann. Nach dem Produkthaftungsgesetz (ProdHaftG) besteht eine verschuldensunabhängige Haftung des Herstellers. Netzwerkbetreiber, die in der Regel Strom auf die Haushaltsspannung von 220 Volt transformieren, sind im Sinn des Gesetzes Hersteller und haften bei Schäden durch langfristige Überspannung.

Im konkreten Fall ging es um einen Schaden, der nach einem Stromausfall entstanden ist. Das Gericht hat sich nicht mit der Thematik höherer Gewalt oder Überspannungen im Millisekundenbereich befasst. Auch gibt es keine Entscheidung, die für Fälle gelten, wenn der Netzbetreiber den Strom nicht selber transformiert.

Es ist also davon auszugehen, dass Netzbetreiber für Überspannungsschäden zahlen müssen, wenn diese nicht durch höhere Gewalt verursacht wurden und das Unternehmen den Strom transformiert. In allen anderen Fällen, ist der Ausgang eines Prozesses ungewiss.

Tipp! Haurat- und Gebäudeversicherungen treten ebenfalls nicht immer für einen Überspannungsschaden ein. In der Hausratversicherung sind alle beweglichen Gegenstände im Haus versichert, beispielsweise der Fernseher. Heizungen, Sicherungen und Solaranlagen sind nur über die Gebäudeversicherung abzusichern, Letztere nur über Sonderverträge.

Sie sind zwar gegen Blitzschlag versichert, diese betrifft aber nur unmittelbare Schäden, also einen durch diesen verursachten Brand. Schäden durch Überspannung oder EMP sind nur bei einigen Gesellschaften automatisch eingeschlossen. Meist ist ein Einschluss gegen Zuzahlung möglich.

Achtung: Der Einschluss von Überspannungsschäden bezieht sich oft auf die langfristige Überspannung, nicht auf Schäden durch Blitze.

Überblick, wer in welchen Fällen eintreten kann

Wer

Schadensart Ursache

Hinweis

Netzwerkbetreiber
  • Schäden an elektrischen Geräten aller Art, keine Folgeschäden durch deren Ausfall
  • Überspannungsschaden durch fehlerhafte Technik im Netz
  • Netzwerkbetreiber muss Strom auch transformieren
Hausrat
  • Schäden an nicht fest eingebauten elektrischen Geräten, keine Folgeschäden durch deren Ausfall
  • Überspannungsschaden durch fehlerhafte Technik im Netz
  • Schäden durch Blitzschlag
  • Überspannungsschäden und Schäden durch Blitzschlag sind oft nur gegen Aufpreis versichert.
  • Police genau prüfen
Gebäude
  • Schäden an fest eingebauten elektrischen Geräten, keine Folgeschäden durch deren Ausfall
  • Überspannungsschaden durch fehlerhafte Technik im Netz
  • Schäden durch Blitzschlag
  • Überspannungsschäden und Schäden durch Blitzschlag sind oft nur gegen Aufpreis versichert.
  • Police genau prüfen
  • Solaranlagen brauchen einen Zusatzversicherung

Vor- und Nachteile einer Versicherung gegen Überspannungsschäden

  • Schadensersatz im Falle einer Überspannung
  • meist schnelle und unkomplizierte Schadensregulierung
  • regelmäßige Kosten
  • nicht jede Versicherung übernimmt Schäden durch Überspannung

Verhalten im Schadensfall

  1. Sichern Sie Beweise, dass eine Überspannung vorgelegen hat. Fragen Sie in der Nachbarschaft, ob es dort ebenfalls Schäden gab. Protokollieren Sie den genauen Zusammenhang. Ist der Schaden nach einem Stromausfall oder einem Blitzschlag eingetreten.
  2. Listen Sie auf, welche Geräte beschädigt wurden. Holen Sie Kostenvoranschläge ein, aber beauftragen Sie noch keine Reparatur.
  3. Wenden Sie sich an den Netzbetreiber, wenn Sie davon ausgehen, dass dieser für den Schaden haftet. Melden Sie außerdem Schäden am Hausrat (bewegliche Güter) der Hausratversicherung und die übrigen Schäden der Gebäudeversicherung. Fügen Sie die Schadenausstellung und die angefertigten Protokolle in Kopie bei.

Wenden Sie sich im Zweifel an einen Anwalt, um sich beraten zu lassen. Dieser prüft auch die Policen, um festzustellen, ob es eine Anspruchsgrundlage gibt.

Überlegen Sie genau, ob Sie Geräte reparieren oder ersetzen. Rechnen Sie nicht damit, dass Sie die vollständigen Kosten ersetzt bekommen. Sie müssen auch mit einem Abzug alt für neu rechnen, wenn Sie sich etwas neu kaufen.

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